Le Jardin en movement – Gartenreise des Freundeskreises in die Normandie

Der Freundeskreis Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität hat vom 29. August bis 5. September 2026 eine lange geplante Gartenreise in die Normandie unternommen. Zwischen Chantilly und Argoules im Département Somme standen zwölf Gärten auf dem Programm, die sehr unterschiedliche Aspekte der europäischen Gartengeschichte der vergangenen 350 Jahre illustrierten. Neben den sorgfältig ausgewählten Gärten mit zum Teil spektakulären Pflanzen stand der Maler Claude Monet, an dessen 100. Todestag in diesem Jahr in zahlreichen Veranstaltungen erinnert wird, als weiteres Leitthema im Mittelpunkt der Gartenreise.

Auftakt in den Gärten von Château de Chantilly

Die lange Strecke in die Normandie will man selbst im bequemen Reisebus nicht an einem Stück absitzen. Warum auch, wenn es unterwegs so viele lohnende Ziele für eine Zwischenübernachtung gibt. Unsere Wahl fiel auf das charmante Städtchen Chantilly, wo es die Möglichkeit gibt, einer der bedeutendsten Schlossanlagen Frankreichs zu besuchen. Das Château de Chantilly ist vielen aufgrund seiner großartigen Kunstsammlung bekannt. Uns interessierten aber vor allem die ausgedehnten Gartenanlagen, deren zentraler Teil, der französische Garten von André le Nôtre, als Musterbeispiel einer barocken Gartenanlage gilt.

André le Nôtre (1613-1700) war der einflussreichste Landschafts- und Gartengestalter seiner Epoche. Als oberster Gartenarchitekt Ludwig XIV. entwarf er die Gärten von Versailles und zahlreiche weitere Barockgärten in Frankreich und halb Europa. Die Gartenanlage von Chantilly entwarf er ab 1662, kurz nachdem die arbeiten in Versailles begonnen hatten. In der Rückschau hat er aber Chantilly als seinen Lieblingsgarten bezeichnet.

Der französische Garten in Chantilly besticht heute vor allem durch seine strenge geometrische Form und die monumentalen Wasserspiegel. Für Pflanzenfreunde wirkt die Anlage eher nüchtern, da die großen Parterres heute nur noch als Rasenflächen angelegt sind. Im späten 17. Jh. waren diese Flächen als kunstvolle Stickereiparterres gestaltet, mit niedrigen, ornamental geschwungenen Buchsbaumhecken und farbigen Substraten in den Zwischenräumen. Dazu umgaben saisonal bepflanzte Blumenborduren, Formschnittgehölze und zahlreiche Skulpturen die Parterres. Der Garten in dieser strengen französischen Form war als scharfer Kontrast zum Chaos der umgebenden wilden Natur konzipiert. Er steht für den Triumpf der Ordnung und untermauert den Machtanspruch der absolutistischen Herrscher über den Menschen und die Natur. Ein Garten als Symbol für die Unterwerfung der Natur, das ist der erste Eckpunkt unser Gartenreise. Aber es gibt in Chantilly auch noch andere Zeugnisse der Gartengeschichte zu bewundern. Der anglo-chinesische Garten des späten 18. Jh. mit seinen idyllischen kleinen Bauernhäusern – dem Hameau – und der romantische englische Garten aus dem 19. Jh. bezeugen den Wandel in der Sicht des Menschen auf die Natur.

Haus und Garten von Claude Monet in Giverny

Am folgenden Morgen geht es von Chantilly weiter in Richtung Rouen mit Zwischenstopp in Giverny. Hier haben wir zur Mittagszeit die Besichtigung des Gartens von Claude Monet gebucht, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Normandie mit rund 700.000 Besuchern pro Jahr. Um diesen Ansturm zu regulieren, gibt es feste Zugangszeiten. Im leichten Nieselregen warten wir also, bis uns um kurz vor 12 Uhr der Eintritt gewährt wird. Der Rundgang führt zunächst in den berühmten Seerosengarten mit der grünen japanischen Brücke, die auf vielen Gemälden Monets verewigt ist. An ein Foto mit einer menschenleeren Brücke ist natürlich nicht zu denken, aber es ist auch nicht so voll, wie man vielleicht befürchtet hat.

Liegt es am grauen Wetter oder an der zu regelmäßigen Anordnung der vielen Seerosensorten im trüben Teich? Das erwartete Erweckungserlebnis bleibt zunächst aus. Überzeugender ist der Hauptgarten auf der anderen Straßenseite, wo sich auch das Haus des Malers befindet. Hier sind die Blütenfarben üppig und die Stauden zum Teil so hoch, dass man sich leicht darin verlieren kann. Monet, heißt es, hat die Pflanzen für seinen Garten stets selbst ausgesucht und bei den renommiertesten Züchtern bestellt. Bis zu sechs Gärtner hat er zeitgleich beschäftigt, um die Anlage zu pflegen. Wie dicht ist sie heute noch am damaligen Zustand? Man kann zahlreiche Arten und Sorten entdecken, die zur Zeit Monets noch nicht erhältlich waren. Aber beim Verlassen des Gartens sieht man ein Foto, das den betagten Maler im Jahr 1921 in seinem Garten zeigt, umgeben von blühenden Rosen an einem runden Pelargonienbeet, das von graulaubigen Nelken eingefasst ist. Der Gesamteindruck, das muss man anerkennen, ist heute nicht viel anders als damals.

Der Botanische Garten Jardin des Plantes de Rouen

Nach diesem blühenden Farbenspektakel wirkt der Jardin des Plantes in Rouen geradezu vernünftig. Er ist ein städtischer botanischer Garten mit umfangreichem Pflanzenbestand und öffentliche Parkanlage in einem. Die Geschichte dieses Gartens reicht bis ins späte 17 Jh. zurück, aber erst 1832 erwirbt ihn die Stadt Rouen, um ihren botanischen Garten hierhin zu verlegen. Auf dem Eingangsschild sind seine wissenschaftlichen Aufgaben klar definiert: Erhaltung und Wertschätzung der Pflanzenvielfalt, aber auch Umweltbildung und Veröffentlichung eines Index Seminum. Über dieses Samenverzeichnis steht der Jardin des plantes auch im Austausch mit dem Botanischen Garten der Universität Mainz. Einige der tropischen Gewächshäuser sind auch am späten Sonntagnachmittag noch geöffnet. Die Pflanzen darin sind in ausgezeichnetem Zustand, kaum Schädlinge, gute Etikettierung und Gestaltung. Bemerkenswert ist unter anderem ein Jackfruchtbaum (Artocarpus heterophyllus) mit schönem Fruchtansatz.

Les Jardins d’Angelique in Montmain

Erste Station des dritten Tages ist ein Besuch der Jardins d’Angelique in Montmain, nur wenige Kilometer östlich von Rouen. Von der Straße aus ist nicht zu erkennen, welches Kleinod sich hier verbirgt. Man betritt das Anwesen über eine schmale Allee, die sich zu einer großen Rasenfläche vor dem Herrenhaus aus dem 17. Jh. öffnet. Hier erwartet uns die Eigentümerin Gloria Le Bellegard, die diesen Garten seit 1989 schrittweise angelegt hat und ihn heute auch weitgehend allein pflegt. Die Jardins d’Angelique bestehen aus einem romantischen englischen Garten mit großen Gehölzen, schmalen Graswegen und Staudenbeeten auf der Vorderseite des Hauses und einem kleineren, formal angelegten Garten auf der Rückseite des Hauses. Die Beete sind hier mit Buchs eingefasst und fast ausschließlich mit weiß blühenden Sträuchern und Stauden bepflanzt. Das ganze Anwesen ist von einer hohen Ziegelsteinmauer umschlossen.

Die Gärten, erklärt uns Gloria Le Bellegard, sind eine Hommage an ihre früh verstorbene Tochter Angelique. Trotz dieses traurigen Anlasses haben die Gärten aber nichts Schweres oder Bedrückendes, sieht man von den Spuren des Buchsbaumzünslers einmal ab. Nein, es ist ein heiterer Garten, eine Oase der Ruhe, in dem uns ein großer Taschentuchbaum (Davidia involucrata), ein wunderbarer Schneeglöckchenbaum (Halesia carolina) und eine sehr aparte, schlitzblättrige Erle (Alnus glutinosa 'Imperialis') besonders aufgefallen sind.

Der Skulpturenpark von Château de Vascoeuil

Nach einer Mittagspause im Dorf Lyon-la-Forêt mit seinen pittoresken Fachwerkhäusern geht es weiter zum Château de Vascoeuil. Die Fahrt führt über schmale Straßen durch einen der schönsten Buchenwälder Frankreichs. Das Château de Vascoeuil und sein umgebender Park mit französischem Garten stellen nicht die Pflanzen in den Mittelpunkt, sondern bilden die Kulisse für eine umfangreiche Skulpturensammlung teils sehr berühmter Künstler. Die Inszenierung der Skulpturen in den Blickachsen des Gartens ist sehr überzeugend, genauso wie der Café gourmand im Salon de thé auf dem Gelände des Gartens.

Am späten Nachmittag folgt eine Stadtführung durch Rouen mit der berühmten Kathedrale als einem der Höhepunkte. Deren Westportal, in der gleißenden Nachmittagssonne, bildet einen weiteren Schnittpunkt mit unserem zweiten Leitthema, dem Maler Claude Monet. Zwischen 1892 und 1894 hat er von dieser Seite die 33 Gemälde umfassende Bilderserie der Kathedrale bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, Tageszeiten und Stimmungen gemalt. Wir haben dagegen nur ein paar Augenblicke, um die gotische Fassade auf uns wirken zu lassen, dann geht es weiter.

... (Fortsetzung folgt)

Text und Fotos Ralf Omlor

Reiseverlauf – Gartenreise Normandie vom 29. August bis 5. September 2026

Samstag, 29. August | Anreise von Mainz und Zwischenübernachtung in Chantilly | Gärten von Schloss Chantilly | Übernachtung in Chantilly

Sonntag, 30. August | Weiterfahrt nach Giverny: Haus und Garten von Claude Monet; danach Jardin des plantes de Rouen | Übernachtung in Rouen

Montag, 31. August | Gärten und Parks rund um Rouen: „Angeliques Gärten“ in Montmain, Schloss und Gärten von Château de Vascoeuil, Stadtführung in Rouen | Übernachtung in Rouen

Dienstag, 1. September | Die hängenden Gärten von Le Havre, Hafenstädtchen Honfleur, Calvados-Destillerie | Übernachtung in Rouen

Mittwoch, 2. September | Abtei Saint-Georges in Saint-Martin-de-Boscherville; Jardins d’Etretat; Kreideklippen; Weiterfahrt nach Dieppe | Übernachtung in Dieppe

Donnestag, 3. September | Schloss und Schlossgärten von Miromesnil, Quiberville-sur-Mer, Besuch des Gartens Jardin Le Vasterival in Sainte-Marguerite-sur-Mer | Übernachtung in Dieppe

Freitag, 4. September | Jardin jungle in Eu, Klostergärten der Abtei von Valloires | Übernachtung in Lille Marcq-en-Baroeul

Samstag, 5. September | Rückreise nach Mainz

REISELEITUNG
Dr. Ralf Omlor, Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Odile Landragin (Übersetzungen und gärtnerische Aspekte)

VERANSTALTER
Freundeskreis Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz e.V. in Zusammenarbeit mit Gruppenreisen in Frankreich – Wir sind Frankreich GmbH, Philippe Masson, Karlsruhe

Veröffentlicht am | Veröffentlicht in Allgemein